Voll im Wasser-Stoff!

An der Staatlichen Berufsbildenden Schule Sonneberg (SBBS) werden Auszubildende auf den Arbeitsmarkt von morgen vorbereitet – ein in der Metropolregion Nürnberg bislang einzigartiges Modellprojekt rüstet junge Menschen für die Zukunftstechnologie Wasserstoff.

„Wasserstoff-Erklärer“ Uwe Blechschmidt von der Staatlichen Berufsbildenden Schule Sonneberg (SBBS) trägt zur Fachkräftesicherung in der Wasserstoff-Metropolregion Nürnberg bei.

Knielange Kittel, kunterbunte Fläschchen, komplexe Formeln und das Geräusch quietschender Kreide: Im FabLab (Fabrikationslabor) der Staatlichen Berufsbildenden Schule Sonneberg (SBBS) erinnert auf den ersten Blick vieles an „klassischen“ Chemieunterricht. Doch während sich der Lehrplan andernorts eher an Theorie und Tafelwerken orientiert, experimentieren Schüler*innen im äußersten Norden der Wasserstoff-Metropolregion Nürnberg an Zukunftstechnologien wie Elektrolyseanlagen und Brennstoffzellen „zum Anfassen“. Damit beschreitet das südthüringische Sonneberg einen Weg, der bisher seinesgleichen sucht.

Die Stadt, die einst durch Spielwaren Bekanntheit erlangte, hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr als ein Zentrum der MINT-Ausbildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) etabliert. Angebote vom 3D-Druck bis zur Wasseranalyse sollen bei Jugendlichen Leidenschaft für technische Berufe entfachen. Bewähren könnte sich das Konzept auch für die Wasserstoffindustrie in der Region, deren Bedarf an gut und vor allem spezifisch ausgebildeten Fachkräften mit dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft allmählich steigen wird.

Hintergrund zum Fachkräftebedarf in der Wasserstoffwirtschaft: 

Wenn bisherige Nischentechnologien, wie Wasserstoff, in die breite Anwendung kommen, werden auf mittelfristige Sicht neue Kompetenzen und gegebenenfalls neue Berufsbilder gebraucht. Das Impulspapier "Wissensvermittlung Wasserstoff" von VDE, DVGW, VDI/VDE-IT und ENERGIEregion Nürnberg bietet eine erste Übersicht zu neuen Kompetenzbedarfen und gibt Anregungen, wo und wie Wasserstoff-Themen in Schule, Aus- und Weiterbildung sowie Studium integriert werden könnten.

Schüler*innen lernen anhand von modernen Modellen die Funktionsweise der Wasserstofferzeugung durch Elektrolyse.

IHK-Lehrgang für Wasserstofftechnik in der Pipeline

An der SBBS wird auf die sich verändernde Arbeitsmarktstruktur bereits reagiert. In Zusammenarbeit mit der IHK Südthüringen, dem HySON-Institut für Angewandte Wasserstoffforschung Sonneberg und dem H2-Technikspezialisten Kyros Hydrogen Solutions treibt die Berufsschule die Entwicklung eines IHK-zertifizierten Lehrgangs für Wasserstofftechnik voran. Der Lehrgang soll Auszubildende in technischen Berufen wie Mechatroniker*in, Kfz-Mechatroniker*in oder Elektroniker*in fit machen für einen Job im zukünftigen Wasserstoffmarkt. Das Curriculum umfasst die komplette Wertschöpfungskette von Erzeugung, Speicherung, Transport bis hin zur Anwendung von Wasserstoff. Auch Grundlagen der Thermodynamik, zur Brennstoffzelle und erneuerbaren Energien – Stichwort: grüner Wasserstoff – werden vermittelt.

Die ersten beiden Testläufe zum Lehrgang waren erfolgreich. Sie fanden als einwöchige Sommer- und Herbstakademie im August und Oktober 2022 statt. Je 14 Teilnehmer*innen konnten sich in 40 Unterrichtseinheiten bestehend aus theoretischen Grundlagen, experimenteller Praxis und einer Exkursion zum Projektpartner Kyros Wasserstoff-Wissen aneignen. Nach bestandenem Abschlusstest gab es für die Azubis eine Teilnahmebescheinigung der IHK.

Auch Grundlagen der Chemie wie hier die Bestimmung des ph-Werts stehen auf dem Ausbildungsplan der Wasserstoff-Fachkräfte von morgen.

Sonneberger Pionierarbeit

Das Modellprojekt angeschoben hat „Wasserstoff-Erklärer“ Uwe Blechschmidt, Studiendirektor und stellvertretender Schulleiter der SBBS. „Die Aufarbeitung der modernen Wasserstofftechniken in Unterrichtssequenzen für verschiedenste Altersgruppen und Bildungsstandards macht uns besonders“, sagt der 62-Jährige.

Blechschmidts Ziel ist es, den Wasserstoff fest in den bestehenden Lehrplänen der Fachausbildungen Mechatroniker*in, Kfz-Mechatroniker*in und Elektroniker*in zu verankern. Derzeit würden diese die Wasserstofftechnologien kaum einbeziehen. Perspektivisch ist sogar die Entwicklung eines ganz neuen Berufsbilds angedacht, das des Wasserstofftechnikers. Doch zunächst folgen erst einmal zwei weitere Akademien zur Zertifizierung des IHK-Lehrgangs. Denn der Pädagoge weiß auch: „Die Überführung in die reguläre Ausbildung wird noch eine längere Zeit dauern.“

Uwe Blechschmidt hat die inhaltlichen Schwerpunkte des neuen Wasserstoff-Lehrgangs konzeptioniert.

Bis dahin lässt Uwe Blechschmidt nicht locker. Mit Ausstellungen, Experimenten und Informationsangeboten will er das Thema Wasserstoff in die Breite der Bevölkerung tragen – und die Pionierrolle der Region in seinem „Herzensprojekt“ Wasserstoff-Bildung festigen.
 

Mehr zum Thema Wasserstoff-Bildung an der SBBS erfahren Sie unter https://sbbs-son.de/mint-aktivitaeten/ und demnächst auch auf https://sbbs-son.de/h2/.